März 10 2019

Mensch Eberhard, was sollte das? – Spielabbruch nach 77 Minuten beim Stand von 5:1

Das Kuriositätenkabinett der Saison 18/19 in der Frauenfußballregionalliga Südwest ist um eine Attraktion reicher. Normalerweise feiern die Mädels des SC 13 Bad Neuenahr ihr Maskottchen Eberhardt auf das Heftigste, aber das (fast) gleichnamige Sturmtief Eberhard machte zunächst einmal einen klaren Sieg über Wormatia Worms zunichte. Schiedsrichter Marcel Bilo brach nämlich das Spiel nach 77 Minuten ab, was er mit zu starken Sturmböen begründete, die mittlerweile das Apollinarisstadion unter Beschuss nahmen. Zuvor sahen die rund 80 wetterfesten Zuschauer ein Spiel unter grenzwertigen Bedingungen, mit denen allerdings beide Teams leben mussten. Nach einer Freistoßflanke sorgte eine dieser Böen für eine Fehler von SC 13 Keeperin Marie Wenzl, den Lorena Heinz zum 0:1 nutzen konnte. Sarah Goffin donnerte 120 Sekunden später gegen den Wind einen kernigen Schrägschuss in den Giebel des Wormser Tores. Stefanie Lotzien war dann mit Beginn des zweiten Durchgangs die entscheidende Persönlichkeit auf dem Platz. Die Jubilarin bereite zunächst mit einem Eckball das 2:1 durch einen Kopfball von Johanna Kuhn vor (47.). Treffer drei und vier gingen dann auf ihr eigenes Konto. Nach dem zweiten Lotzien Treffer durch eine direkt verwandelte Ecke unterbrach der Unparteiische das Spiel auf Einwirken der Gäste zunächst für 10 Minuten. Die Wetterlage beruhigte sich etwas und die Partie wurde fortgesetzt. Ein schwerer Torwartfehler beim Schussversuch von Paula Gau führte dann zum 5:1. Wenig später wurde eine Freistoß der Gäste quasi wider an den Ausgangspunkt zurück geweht, was Bilo zum Anlass nahm die Sturmlotterie zu beenden. Besonders bitter für den SC 13, denn würde das Spiel nun neu angesetzt, dann hätte man Feride Bakir völlig umsonst für längere Zeit verloren. Die Angreiferin hatte sich nach einem Zweikampf unglücklich den Arm ausgekugelt und musste ins Neuerahrer Maria Hilf Klinikum gebracht werden.

Mit drei Veränderungen zur Vorwoche startete der SC 13 in den Vergleich mit dem Tabellenschlusslicht. Zunächst hatte man allerdings eher mit den Windbedingungen zu Kämpfen, als mit eine zugegebenermaßen taktisch gut eingestellten Gegner. Zu ungenau waren die Passfolgen der Dünker Truppe, was es den Gästen erst einmal einfach machte das Spiel offen zu gestalten. Dennoch agierte die Heimelf gegen den Wind um Klassen besser, als später der kräftemäßig nachlassende Gegner. Nachdem die erste Halbzeit remis endete und stark an das Hinspiel erinnerte, stellte Dünker zur Pause taktisch um. Zwei Spitzen (Mäder und Weise) sollten nun mit Tempo und Rückenwind für die Entscheidung sorgen. Es waren allerdings eher die Standardsituationen die dem Spiel eine Wendung geben sollten. Vor allem die Eckbälle  von Stefanie Lotzien, die ihr 75. Meisterschaftsspiel für den Kurstadtclub bestritt hatten es in sich. Der erste Versuch mit Windunterstützung landete direkt auf dem Kopf von Johanna Kuhn , die dann locker einnetzte. Wenig später nahm sich die Arbeitsbiene ein Herz und zog aus 20 Metern ab. Der Flatterball schlug über der überfordert wirkenden Isabelle Bätz im Gehäuse der Wormserinnen ein, was gleichzeitig eine Art Vorentscheidung gleichkam. Keine drei Minuten später nutzte sie clever die Windböen und verwandelte eine der unzähligen SC 13 Ecken direkt. Eigentlich also eine perfekte Veredelung, des Jubiläumsspiels. Als dann auch nach Paula Gau einen harmlosen Flachschuss versenkte und Bätz damit „alt“ aussehen ließ, wusste jeder wer hier die Dominatorinnen darstellten. Dann kam es eben zu besagtem Spielabbruch. Marc Bilo erläuterte dann die weitere Vorgehensweise: „Der Spielbericht geht jetzt an die Spruchkammer des Südwestverbandes. Dort wird entschieden wie das Spiel gewertet wird.“ Unverständnis gab es nicht nur von Jacqui Dünker: „Wir hätten die restliche 13 Minuten auch noch über die Bühne gebracht.“, sondern auch von anwesenden Spielerinne der SG 99 Andernach. „Wir haben gestern unter fast den gleichen Verhältnissen in Niederkirchen durchgespielt. Der SC 13 war klar die bessere Mannschaft, also war das Ergebnis korrekt.“ Wenn also schon der Lokalrivale derartige Worte findet, was im Übrigen viel über die Fairness des gegenseitigen Verhältnisses aussagt, dann sollte dies ein guter Hinweis für die bevorstehende Beurteilung der Ergebnisses sein. Das anschließende Derby der Männerrheinlandliga zwischen den Ahrweiler BC und der SG 99 Andernach (2:0) wurde im Übrigen komplett durchgezogen. Wir machen allerdings den Gästen aus Worms ausdrücklich keinen Vorwurf. Das Spiel lief im fairen Rahmen und es ist jegliche Reaktion auf die Wetterverhältnisse nachvollziehbar. Auf den statistischen Teil wird auf Grund der offenen Spielwertung verzichtet.