März 06 2014

Neues vom Flüsterer – Elena Bläser im Gespräch mit Gregor Schürer

Schon immer den Ball am Fuß

Elena Bläser spielte früher im Feld, heute steht sie zwischen den Pfosten

Seit November 2004 präsentiert Ihnen unser Mitarbeiter Gregor Schürer in regelmäßigen Abständen unter dem Titel „Anpfiff im Café“ die Bundesliga-Fußballerinnen des SC 07 Bad Neuenahr. Nun ist der traditionsreiche Club aus finanziellen Gründen freiwillig in die Zweite Liga abgestiegen. Nach dem Motto „alles auf Anfang“ gibt es ein neues Präsidium, eine neue sportliche Leitung und eine neue Mannschaft. Seit der Winterpause hat der neu gegründete Sportclub 2013 den kompletten Sportbetrieb des insolventen SC 07 übernommen. Wir wollen den Neuaufbau begleiten und unseren Leserinnen und Lesern das junge Team vorstellen und näher bringen. Heute stellen wir mit Elene Bläser eine Torfrau vor, die erst zu ihrem Glück zwischen den Pfosten gezwungen werden musste.

Bad Neuenahr:

Ich bin mit Elena Bläser verabredet, auf die junge Torhüterin des SC 13 bin ich besonders gespannt, sagt man den Menschen zwischen den Pfosten doch gewisse Eigenheiten nach. Pünktlich ist Elena zur Stelle und ich bestelle die Getränke, einen Latte Macchiato für meinen Gast, eine heiße Zitrone für mich, um die hartnäckige Erkältung endlich loszuwerden. Wir machen es uns in einer Ecke des Hotelfoyers gemütlich und plaudern los. Zunächst will ich wissen, wie die aus Kempenich stammende Fußballerin denn zu ihrem schönen Vornamen gekommen ist.

Die Infantin als Namensgeberin

Als Elena am 16. September 1995 in Neuwied zur Welt kommt, sind die Eltern zunächst überrascht, denn sie hatten mit einem Brüderchen für die drei Jahre zuvor geborene Tochter gerechnet. Da die Bläsers deshalb nur Jungenamen heraus gesucht haben, ist guter Rat teuer. Bis sich die Mutter erinnert, dass wenige Monate zuvor die Tochter des spanischen Königs Juan Carlos in der Kathedrale von Sevilla geheiratet hat. Und die Infantin hört auf den schönen Namen Elena. Also taufen sie das Baby Elena, ich finde, eine gute Wahl.

Elena wächst in Kempenich in behüteten familiären Verhältnissen auf, der Vater arbeitet bei UPS im Büro, die Mutter ist medizinische Fachangestellte, die sich mittlerweile zur Heilpraktikerin weiter gebildet hat. Sie geht in Kempenich in den Kindergarten und zur Grundschule, wechselt später nach Adenau auf die Realschule, wo sie die Mittlere Reife macht. Momentan besucht sie die 12. Klasse des Gymnasiums am Calvarienberg, in einem Jahr möchte sie dort ihr Abitur ablegen.

Berufswunsch: Unerfüllbar und unbestimmt

Trotz guter Noten wird sich ihr Berufswunsch Ärztin nicht erfüllen lassen, denn für ein Medizinstudium sind die Zensuren beim momentanen Numerus Clausus einfach nicht gut genug. Elena ist realistisch und vernünftig genug, das einzusehen – typische Charaktereigenschaften ihres Sternzeichens Jungfrau übrigens. Was sie stattdessen machen will, weiß sie noch nicht so genau. Vielleicht kann sie sich bei der Bundeswehr verpflichten und auf diesem Weg doch noch Medizinerin werden, wer weiß.

Wie kam Elena zum Fußball? Früh! Bereits mit drei Jahren jagte sie beim SC Kempenich der Kugel hinterher: „Ich hatte schon immer den Ball am Fuß“ – so ihr

Resümee. Erst bei den Bambinis, dann F-Jugend, E-Jugend, D-Jugend – dort dann auch parallel in der Mädchenmannschaft des TV Kruft. Später, als C-Jugendliche, wechselt sie dann nach Bad Neuenahr zum SC 07. Wobei sie keineswegs immer zwischen den Pfosten gestanden hat.

Vom Feld ins Tor gezwungen

Elena hat anfangs im Feld gespielt, vorzugsweise in der Abwehr. Als eines Tages der etatmäßige Torwart ausfällt, beordert der Trainer sie wegen ihrer Größe ins Tor. Sie will nicht, heult und zetert, muss aber. Um anschließend das Gehäuse nie wieder zu verlassen, sie hat ihre Position gefunden, bis heute. Mit der Größe ist das allerdings so eine Sache. Sie ist als Kind zwar schnell gewachsen, hat damit aber auch schnell wieder aufgehört. Bei 1,67 m ist Schluss, nicht gerade ein Gardemaß für eine Torhüterin. Doch wer Elena schon im Spiel erlebt hat, weiß, dass sie das ein Stück weit durch ihre Präsenz auf dem Platz wettmachen kann, von ihrem phänomenalen Reaktionsvermögen mal ganz abgesehen. Da liegt die Frage nach fußballerischen Stärken und Schwächen nahe: Sie hält sich für stark auf der Linie und im technischen Bereich, für verbesserungswürdig bei hohen Bällen und im Timing. Vorbilder hat sie keine, schwärmt aber von der gemeinsamen Zeit mit Nationaltorhüterin Almuth Schult, die ihr während ihrer Neuenahrer Jahre sportlich und menschlich im Training und in Gesprächen viel beigebracht hat.

Wo geht die sportliche Reise hin?

Wie fällt ihre momentane Bestandsaufnahme aus, für sie selbst, für die Mannschaft? Durch die Verpflichtung der lettischen Torhüterin Enija Anna Vaivode ist natürlich zusätzlicher Konkurrenzkampf entstanden, den sie annehmen will. Sie wird sich im Training weiter reinhängen und hofft, im Spiel zeigen zu können, dass sie die Nummer 1 ist. Wenn sie weiter verletzungsfrei bleibt, ist ihr sportliches Ziel, langfristig in der 2. Liga Stammspielerin zu sein. Zum Rückrundenauftakt in München hat sie freiwillig verzichtet, damit die Neue spielen kann, eine faire sportliche Geste.

Für die Mannschaft hat der Klassenerhalt oberste Priorität, und sie ist überzeugt, dass das Team das schafft. Um dann in der neuen Saison etwas unbelasteter aufspielen und besser mitmischen zu können.

Mut und Fallschirmsprung

Nun will ich von der jungen Frau mit den braunen Haaren wissen, was sie in ihrer knappen Freizeit – neben Schule und Sport bleibt da nicht viel – so treibt. Sie kocht und isst gerne – Lachs mit Spinat, Salat mit Hühnchen, Nudeln mit Bolognese Soße. Sie macht sich gerne zurecht, wenn sie mal ausgeht, zum Beispiel zu einem Konzert des deutschen Rappers Alligatoah in Koblenz. Dabei legt sie auf gepflegtes und sportliches Aussehen nicht nur bei sich selbst, sondern auch beim anderen Geschlecht wert. Wenn sie den Richtigen irgendwann einmal trifft, will sie eine Familie und Kinder haben. Sie ist eine gute Zuhörerin und liegt auch schon mal auf der faulen haut. Allzu lange allerdings nicht, denn einen Nebenjob im Restaurantbereich hat sie auch. Sie fährt im Urlaub gerne ans Meer, es darf auch ruhig heiß sein, die Türkei hat sie schon mehrfach bereist. Und ihr Lieblingsspruch lautet: Mut ist der Zauber, der Träume wahr werden lässt. Den hat sie so verinnerlicht, dass sie ihn als Tattoo trägt. Mut wird die Achtzehnjährige auch brauchen, wenn sie sich demnächst ihren großen Traum erfüllt: Einen Tandemsprung aus dem Flugzeug. „Im freiem fall Richtung Erde, das ist Adrenalin pur“, sagt sie – und ihre blauen Augen leuchten. Sich im Fünfmeterraum ins Getümmel zu stürzen reicht ihr wohl nicht.-schü-