Juli 02 2017

Die Rückkehr in die Heimat und zu den fußballerischen Wurzeln

Von Peter Eckhardt

Als Pressesprecher des SC 13 Bad Neuenahr beginnt die Saison nicht mit dem ersten Spieltag, der am 20. August angesetzt ist, sondern wesentlich früher. Also verabrede ich mich mit der neuen Cheftrainerin der ersten Mannschaft auf der Rheininsel Niederwerth, um ein Interview während des Trainingslagers der Bundesliga Juniorinnen abzuhalten. Dass es ausgerechnet der erste offizielle „Arbeitstag“ von Jacqueline Dünker beim Kurstadtclub ist, erweist sich als Zufall, soll aber im Verlaufe des Gespräches noch sehr bezeichnend werden. Nicht nur die Augen der 31- jährigen, die während des kompletten Interviews glänzen, sollen mich schwer beeindrucken, was nach 13 Jahren Tätigkeit nicht unbedingt selbstverständlich ist.

P.E.:  Jacqueline, erst einmal herzlich Willkommen in unserem Verein. Vor 13 Jahren hast Du noch in der 1. Bundesliga für uns gespielt, jetzt die Rückkehr als Trainerin. Wie kam es dazu?

J.D.: „Nach den ganzen Jahren in Leverkusen und Gütersloh, wo ich als Spielerin und dann in Gütersloh auch als Trainerin tätig war, kam der Wunsch auf, dort alt und ansässig zu werden, wo ich auch meine familiären Wurzeln habe. Ich bin in der Nähe von Euskirchen (Dom- Esch) aufgewachsen, wo meine Familie immer noch lebt. Als der damalige sportliche Leiter Sijamak Sauer mich kontaktiert, entschied ich mich für Bad Neuenahr, obwohl Gütersloh mir ebenfalls ein Angebot unterbreitetet hatte, ihre Zweitligamannschaft zu trainieren. Den Wechsel vom Juniorinnen in den Seniorinnenbereich wollte ich sowieso vollziehen. Da vor allem meine Familie es sehr begrüßt hat, mich wieder in der Nähe zu wissen, fiel die Entscheidung dann nicht schwer.“

P.E.: Prima. Da stellt sich die nächste Frage von alleine. Welche Affinität hast Du denn zum SC 13 Bad Neuenahr?

J.D.: „ Nicht erst beim Kurstadt Cup habe ich das Herzblut und Engagement eines kompletten Vereins erlebt. Das war vor 13 Jahren schon nicht anders. Ich habe damals unter Doreen Meier meine ersten Bundesligaminuten hier spielen dürfen. Danach war es immer ein tolles Gefühl zu Gast im Apollinarisstadion zu sein. Als ich dann gesehen habe wie viele Spielerinnen der ersten und zweiten Mannschaft beim Kurstadt Cup fast rund um die Uhr als Helferinnen tätig waren, da wusste ich, dass ich mich richtig entschieden habe. Als Trainer lebst Du Werte vor und diese Werte sind in den Herzen vieler Spielerinnen verankert.“

P.E.: Das bringt mich nun zum sportlichen Thema. Was hast Du denn hier vorgefunden, als Du die ersten Gespräche mit deinen neuen Schützlingen geführt hast?

J.D.: „Zunächst einmal viele verunsicherte Spielerinnen. Durch die räumliche Entfernung des ehemaligen sportlichen Leiters Sijamak Sauer, der ja im März Richtung München weggezogen ist, fehlte ein wichtiger Ansprechpartner und es konnte nicht mehr alles so bearbeitet werden wie gewohnt.  Seit vier Wochen sind nun Nina Dielmann und Silke Kolbeck als sportliches Leiterteam tätig und stecken viel Arbeit und Zeit in ihre Aufgabe.  In dieser Zeit konnten wir einige aus der letztjährigen Elf überzeugen, den weiteren Weg mit uns zu gehen.“

P.E.; Auch Du hältst Dich ja nicht zurück mit zeitlichem Engagement, was mich persönlich schwer beeindruckt hat, wenn ich nur an den Abbau beim Kurstadt Cup denke. Auch da hast Du bereits deine Schützlinge dazu gebracht, mit viel Freude und Spaß mitzuwirken. Aber wie definierst Du nun für Dich das Projekt SC 13 Bad Neuenahr?

J.D.: „Wir wollen den hohen Erwartungen gerecht werden. Dazu müssen wir es schaffen mit den Aktiven und den Fans das Vereinsgefühl aufzubauen. Vor allem die Mädels brauchen das Vertrauen zum Verein. Die Mannschaft wird gefördert und gefordert Woche für Woche das Beste aus sich rauszuholen. Wenn wir dann am Ende unser Bestmögliches gegeben haben, dann ist es zweitrangig welcher Tabellenplatz dabei herauskommt. Wir wollen das Optimum geben.“

P.E.: So positiv Du bei mir rüberkommst, gibt es Punkte die Dich als Trainerin ärgern oder auf die berühmte Palme bringen?

J.D.: „Natürlich. Da wäre zum Beispiel Halbherzigkeit. Im Endeffekt ist es für uns alle ein Hobby, in das wir sehr viel Zeit investieren.Umso wichtiger ist diese Zeit effektiv zu nutzen und alles zu geben, sei es beim Training oder beim Spiel.  Auf dem Platz zählt einzig und alleine die Leistung und der Einsatz, privat kann man mit mir eine Menge Spaß haben. Ich bin eine Gerechtigkeitsfanatikerin, was bedeutet dass nur die spielen, die beim Training allesgegeben haben. Wir müssen uns Spiel für Spiel, Training für Training als eine geschlossene Einheit präsentieren, dann ist vieles möglich.“

P.E.: Die Geschlossenheit ist eine Sache. Aber welchen Wunschfußball möchtest Du von deinem Team sehen?

J.D.: „ Wenn 90 Minuten Vollgas geben und uns als Einheit präsentieren, in der jede für die Andere mitkämpft einsteht. Du hast selber gestern Abend das Finale der U 21 EM gesehen. Das Team ist im Laufe des Turniers zusammen gewachsen, geschlossen aufgetreten und hat das Finale als Außenseiter durch mannschaftliche Geschlossenheit für sich entschieden.  Ich habe da meinen Wahlspruch der lautet; Wenn Du denkst es geht nicht mehr, dann geht es doch immer weiter.“

P.E.: Dazu brauchst Du einen entsprechenden Kader, Wie ist denn hier der Stand der Dinge?

J.D.: „ Wichtig war es, den Kern der Mannschaft zusammen zu halten, was uns gelungen ist. Aus Reihen der eigenen U17 und mit Denise und Nicci als externe Neuzugänge konnten wir uns verstärken. Im Laufe der Hinrunde werden wir einen Eindruck davon bekommen, ob wir zur Winterpause ggf. noch punktuell versuchen den Kader anzupassen.“

 

P.E.; Dann bring uns doch mal auf den neuesten Stand was die Vorbereitung anbelangt. Was genau ist da geplant?

Am 10. Juli beginnen wir mit dem Training. Bereits am 21. 7. Spielen wir in Gönnersdorf gegen die SG 99 Andernach. Ein erster, ernsthafter Test möchte ich meinen. Zwei Tage später spielen wir zu Hause gegen den SV Menden. Am 30.7. in  Sinzig- Franken gegen Vorwärts Spoho Köln. Das erste Augustwochenende steht ganz im Zeichen eines Trainingslagers mit abschließendem Test gegen den 1. FC Köln II. Eine Woche später spielen wir dann zu Hause gegen Fortuna Köln, ehe es am 20 8. Dann endlich mit der Meisterschaft losgeht. Laut vorläufigem Spielplan empfangen wir am 20.8. den SV Dirmingen.“

P.E.; Zu all diesen Spielen werden wir wie gewohnt rechtzeitig  die Anstoßzeiten und endgültigen Spielorte bekannt geben. Eine letzte Frage, die traditionell etwas anders gestaltet ist. Welche Schlagzeile möchtest Du nach dem letzten Pflichtspiel lesen?

J.D.: (nach reiflicher Überlegung) Der SC 13 Bad Neuenahr lockt – durch attraktiven und leidenschaftlichen Fußball-  wieder wesentlich mehr Zuschauer ins Apollinarisstadion.

Jacqueline, ich bedanke mich für das tolle Gespräch und wünsche Dir und Deinem Team alles erdenklich Gute für die neuen Saison.