Oktober 20 2019

Soweit die Füße tragen – Beim SC 13 stimmt die Moral trotz Niederlage beim Primus

Der gleichnamige Roman von Josef Martin Bauer könnte nach der Partie des SC 13 Bad Neuenahr beim Tabellenführer der Regionalliga Südwest, dem 1. FFC Niederkirchen, das Synonym für die Leistung der Kurstädterinnen sein. Zwar ging das Spiel mit 1:5 (0:0) verloren, was zuvor von vielen so erwartet wurde, aber seltsamerweise herrschte bei den Siegern eher Erleichterung und leichte Verstimmung über die eigene Leistung vor, während man auf Seiten der Kurstädterinnen eher die länger gewordene Verletztenliste beklagte, als den Kopf über die eigene Darbietung zu schütteln, wozu es auch keinerlei Anlass gab. Mit solchen Auftritten braucht sich niemand Sorgen um die Zukunft des Frauenfußballs in Bad Neuenahr zu machen, zumal es scheint als ob nun jede Einzelne verinnerlicht hat, wie man in einem Abstiegskampf bestehen kann.

Trainer Jörg Rohleder ist momentan nicht um seine Aufgabe zu beneiden, denn zum neunten Mal im neunten Spiel musste er eine Start Elf auf den Platz schicken, die wieder einmal im Vergleich zur Vorwoche umgestellt werden musste. Sarah Goffin und Kathi Pohs standen nicht von Beginn an zur Verfügung, was sich im Falle von Pohs noch während der ersten Halbzeit elementar änderte. Womit wir schon bei der Schlüsselszene des Spiels wären. Lena Heinrichs bekam in der 30. Minute einen, so nicht beabsichtigten Tritt in die Wade und musste ausgewechselt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bot Heinrichs eine exzellente Vorstellung in der Innenverteidigung. Zur Ehrenrettung der Übeltäterin sei gesagt, dass sie sich nach dem Spiel aufrichtig entschuldigte. Verwunderlich aber auch, dass der Unparteiische hier nicht die Notwendigkeit einer gelben Karte sah, vor allem weil das Foul von hinten angesetzt wurde. Während der gesamten ersten Halbzeit zog sich die Rohleder Truppe, gestützt auf eine überragende Marie Wenzl im Tor hervorragend aus der Affäre. Natürlich gehörte bei einigen Szenen auch das nötige Glück dazu. Glück, welches sich bekanntlich nur der Tüchtige erarbeitet und verdient. Ohne die Neunsitzer Busse vor dem eigenen Tor zu parken, brachte vor allem die disziplinierte Ordnung auf dem Platz den turmhohen Favoriten zur Weißglut. Amelie Schulte zum Beispiel verdonnerte die erfahrene Arcangioli fast zur Bedeutungslosigkeit und wenn denn mal ein Fehler passierte, waren sofort Mitspielerinnen zur Stelle und bügelten dies wieder aus. So ging es torlos in die Pause, was alleine schon als Überraschung gelten darf.

Vier Minuten nach dem Wechsel schien dann alles seinen normalen Lauf zu nehmen, als Kristin Götz den ersten ihrer später vier Treffer markierte und Wenzl mit einem platzierten Kopfball keine Chance ließ. Wer nun aber dachte die Köpfe beim SC 13 würden runter gehen sah sich schwer getäuscht. Urplötzlich tauchten kurz hintereinander Lisa Weise und Kathi Pohs vor dem Tor der Gastgeberinnen auf, vergaben aber noch. Eine Ecke von Amelie Schulte sorgte dann für soviel Konfusion in der Hintermannschaft der Pfälzerinnen, dass Pohs keine Mühe hatte aus fünf Metern den Ausgleich zu erzielen (53.). Selbst das frühe 1:2 durch Büsra Kuru drei Minuten später brach die Moral des SC 13 nicht. Auch als Götz dann nach 62 Minuten auf 3:1 erhöhte, entspannten sich die Mienen auf Niederkirchener Seite nicht. Götz selber sorgte dann mit einem Doppelschlag zehn Minuten vor dem Ende für das Endresultat, was auch auf die nachlassenden Kräfte des tapferen Verlierers zurück zu führen sein dürfte. Dennoch wehrte sich die Rohleder Elf bis zum Schluss, was bei keiner Mannschaft der Welt selbstverständlich ist. Eine tief durchatmende Trainerin des 1. FFC, Tina Lelle, sprach dann auch von „einem richtig harten Stück Arbeit“, nicht ohne die Frage zu stellen, was der SC 13 da unten zu suchen habe. Ihr Kollege Jörg Rohleder attestierte seiner Mannschaft folgendes: „Die Mädels haben hier gezeigt, wie sie es aus dem Schlamassel schaffen können. Wir dürfen jetzt nur nicht nachlassen. Mir macht aber auch die erweiterte Liste der Angeschlagenen Sorgen. Doch diejenigen die heute in die Bresche gesprungen sind haben ihre Sache richtig gut gemacht. Darauf müssen wir aufbauen und die vielen positiven Eindrücke mitnehmen.“

Mit einer ähnlichen kämpferischen und läuferischen Leistung wurde im Vorjahr der kommende Gegner TSV Schott Mainz auswärts bezwungen. Mainz unterlag heute dem 1. FFC Montabaur mit 1:3.

SC 13: Marie Wenzl; Amelie Schulte, Marisa Montouri (54. Elena Deuster), Rebecca Schumann, Stefanie Lotzien, Lena Heinrichs (35. Kathi Pohs), Lisa Weise, Nathalie Brück (69. Luisa Schmitgen), Franziska Simon, Svenja Hermann, Celina Mäder

Tore: 1:0, 3:1, 4:1 und 5:1 Kristin Götz (49., 63., 81., und 83.), 1:1 Kathi Pohs (53.),2:1 Büsra Kuru (56.)

SR: Julius Schmitt mit seinen Assistenten Mustafa Günes und Kacper Spychala

ZS: 80